Wenn Sie Ihre Website durch ein Testwerkzeug schicken, bekommen Sie eine Zahl zwischen 0 und 100 und drei Abkürzungen dazu. Die Zahl ist oft niedriger, als man hofft, und die Abkürzungen sagen den meisten nichts.
Hier steht, was dahintersteckt, in normalem Deutsch. Und ebenso wichtig: wann diese Werte tatsächlich eine Rolle spielen und wann jemand sie benutzt, um Ihnen ein Projekt zu verkaufen.
Die drei Werte
LCP, wie lange bis zum Hauptinhalt
Misst, wie lange es dauert, bis das größte sichtbare Element geladen ist. Meist ein Bild oder eine große Überschrift. Unter 2,5 Sekunden gilt als gut.
Der häufigste Grund für schlechte Werte ist banal: riesige Bilder. Jemand lädt ein Foto mit 4.000 Pixel Breite hoch, das im Browser auf 800 Pixel heruntergerechnet wird. Der Besucher lädt trotzdem die volle Datei. Bei einer Baustellenverbindung dauert das.
INP, wie schnell reagiert die Seite
Misst, wie lange es dauert, bis die Seite auf eine Eingabe reagiert. Sie tippen auf das Menü und es passiert erst mal nichts. Unter 200 Millisekunden gilt als gut.
Ursache ist fast immer zu viel JavaScript. Bei WordPress-Seiten kommt das meist von Plug-ins, die über Jahre dazugekommen sind und teilweise dasselbe tun.
CLS, springt das Layout
Misst, ob sich Inhalte beim Laden noch verschieben. Jeder kennt das: Man will auf einen Link tippen, ein Bild lädt nach, alles rutscht, und man landet woanders.
Das ist der Wert, der sich am einfachsten beheben lässt. Bilder brauchen feste Angaben für Breite und Höhe im Quelltext. Dann reserviert der Browser den Platz, bevor das Bild da ist.
Der Unterschied, der am meisten Verwirrung stiftet
Es gibt zwei Arten von Messwerten, und sie werden ständig verwechselt.
Labordaten entstehen, wenn ein Testwerkzeug Ihre Seite einmal unter simulierten Bedingungen lädt. Das ist die Zahl, die Sie sehen, wenn Sie Ihre Adresse in ein Prüftool eingeben. Sie schwankt zwischen zwei Messungen erheblich, weil die Simulation nie identisch ist.
Felddaten sind die echten Werte Ihrer tatsächlichen Besucher, gesammelt über 28 Tage. Diese Daten nutzt Google für die Bewertung.
Praktisch bedeutet das: Ein schlechter Testwert bei guten Felddaten ist kein Handlungsgrund. Wenn jemand mit einem Screenshot ankommt, auf dem eine rote 42 steht, und daraus einen dringenden Handlungsbedarf ableitet, fragen Sie nach den Felddaten aus der Search Console. Die stehen dort kostenlos zur Verfügung.
Wie wichtig ist das wirklich
Ehrliche Antwort: weniger, als in vielen Angeboten behauptet wird, und mehr als null.
Als Rankingfaktor sind die Core Web Vitals einer von vielen und nicht der stärkste. Eine Seite mit schlechten Werten und hervorragendem Inhalt schlägt eine schnelle Seite mit dünnem Text.
Wichtiger ist die zweite Ebene: Besucher, die abspringen. Und hier hat unsere Region eine Besonderheit. Wer in Meckenheim im Gewerbegebiet steht, im Kreis Euskirchen unterwegs ist oder in der Voreifel zwischen zwei Orten fährt, hat nicht überall volle Netzabdeckung. Eine Seite, die im Büro in zwei Sekunden lädt, braucht dort sechs. Ein Teil der Leute wartet das nicht ab.
Für lokale Betriebe, deren Kunden unterwegs suchen, ist Ladezeit deshalb weniger eine SEO-Frage als eine Vertriebsfrage.
Was am meisten bringt
In der Reihenfolge des Aufwands, von wenig zu viel.
Bilder ordentlich ausliefern. Im modernen Format, in der Größe, in der sie tatsächlich angezeigt werden, mit festen Maßangaben im Quelltext. Das behebt oft LCP und CLS gleichzeitig und ist an einem Nachmittag erledigt.
Plug-ins aufräumen. Bei fast jeder gewachsenen WordPress-Seite finden sich drei bis fünf, die überflüssig sind oder sich gegenseitig behindern. Das ist unspektakulär und macht Seiten regelmäßig doppelt so schnell.
Caching einrichten. Ein Zwischenspeicher, der fertige Seiten ausliefert, statt sie bei jedem Aufruf neu zusammenzubauen.
Hosting prüfen. Wenn Sie bei einem sehr günstigen Massenanbieter liegen, ist die Grundreaktionszeit des Servers oft der Flaschenhals. Das lässt sich im Frontend nicht ausgleichen. Ein solider Hoster mit Standort in Deutschland kostet keine großen Summen.
Ein realistisches Beispiel
Ein typischer Fall aus der Region: Ein Betrieb aus Meckenheim hat eine WordPress-Seite von 2018, gewachsen über drei Umbauten. Der Testwert liegt bei 38, die Felddaten sind rot.
Beim Nachsehen finden sich vier Fotos auf der Startseite mit je über zwei Megabyte, ein Seitenbaukasten, der pro Seite dreißig verschachtelte Container erzeugt, zwei Cache-Plug-ins, die gegeneinander arbeiten, und eine Bildergalerie, die auf jeder Unterseite geladen wird, obwohl sie nur an einer Stelle vorkommt.
Nichts davon ist dramatisch, und nichts davon braucht einen Neubau. Bilder konvertieren und verkleinern, ein Cache-Plug-in entfernen, die Galerie nur dort laden, wo sie gebraucht wird. Ein Arbeitstag, und die Seite ist im grünen Bereich. Genau deshalb sollte man bei schlechten Werten zuerst nachsehen, statt zu ersetzen.
Wann ein Neubau sinnvoll ist
Selten. In den meisten Fällen bringen die vier Punkte oben den größten Teil der Verbesserung.
Ein Neubau lohnt sich, wenn das Fundament so alt ist, dass jede Änderung an einer Stelle etwas anderes kaputtmacht. Das erkennt man daran, dass niemand mehr Anpassungen vornehmen will, weil die Seite dann drei Tage lang komisch aussieht.
Wenn Ihnen jemand allein wegen eines schlechten Testwerts einen Relaunch verkaufen will, ist Vorsicht angebracht. Fragen Sie nach den Felddaten und danach, welche konkreten Maßnahmen vorher geprüft wurden.
Mehr dazu unter Technisches SEO. Wenn Sie wissen wollen, wie Ihre Seite tatsächlich dasteht, schauen wir kurz rein. Einschätzung anfragen.